Die Heavy Rain & Beyond: Two Souls Collection im PS4-Test Bild: Sony Computer Entertainment

Review

Die Heavy Rain & Beyond: Two Souls Collection im PS4-Test

Für die einen die Software-Speerspitze der PS3, für die anderen schale Gameplay-Armut: Heavy Rain und Beyond - Two Souls spalten die Gemüter. Ob sich das auf der PS4 ändert? Unser Test der Collection.
Die beiden Ausnahme-Adventures Heavy Rain und Beyond: Two Souls stehen bereits einzeln im PlayStation Store zum Download bereit. Wer sich lieber etwas ins Regal stellt, für den bringt Sony beide Games auch auf einer Disc als The Heavy Rain and Beyond: Two Souls Collection.

Heavy Rain

Der Origami-Killer geht um. Er entführt Kinder und erpresst deren Eltern zu schrecklichen Dingen. Der Spieler soll ihn fassen und dafür stehen gleich mehrere spielbare Protagonisten bereit: Als FBI-Agent, als Privatdetektiv, als Journalistin und als Vater eines entführten Kindes kämpft sich der Spieler durch die starke Story, trifft Entscheidungen, badet deren Konsequenzen aus, sieht Figuren sterben und begibt sich dabei auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Wir sind uns sicher: Das Erstarken der Story-Komponente, das sich in der Industrie seit ein paar Jahren zeigt, ist maßgeblich auf den Erfolg von Heavy Rain zurückzuführen.

Aber wie sieht’s technisch aus? Für die PS4-Version peppen die Entwickler die Texturen auf, führen dynamische Lichteffekte ein und erhöhen die Polygonzahl der Charaktere, wodurch das Game noch realistischer wirkt. Einzig den Gesichtsanimationen sieht man ihre – damals bahnbrechende – PS3-Vergangenheit hier und da noch an. Im Gegensatz zum Original löst das Game in 1080p auf, während Quantic Dream die Framerate bei 30 Bildern pro Sekunde festzurrt. Bevor jetzt aber das Geschrei losgeht: Heavy Rain versteht sich als interaktives Drama. Und deshalb passen 30 Bilder pro Sekunde hier auch besser zum Film-Look als 60. Die Entwickler dürften die Entscheidung zugunsten der Authentizität, nicht durch technische Einschränkungen getroffen haben.

Ein paar Macken bleiben trotzdem nicht aus: So übernimmt Quantic Dream die Cutscenes ohne Optimierung aus dem Original. Außerdem nerven ab und an Glitches, die NPCs an irgendwelchen herumstehenden Objekten festnageln oder sie gar teleportieren. Die Steuerung ist immer noch bockig wie eine Bergziege zur Brunftzeit und den Move-Knüppel kann man direkt in der Schublade lassen – die Bewegungssteuerung unterstützt das PS4-Heavy Rain nämlich nicht.


Beyond: Two Souls

Für Beyond: Two Souls greift Quantic Dream den Ansatz des interaktiven Dramas erneut auf. Nur geht’s diesmal um die von Ellen Page zum Leben erweckte Jodie Holmes, die seit Kindesalter mit einer Entität namens Aiden verbunden ist. Gameplay spielt hier eine untergeordnete Rolle: Man drückt im richtigen Moment die richtige Taste, steuert Jodie in klassischer Adventure-Manier durch die Kapitel oder führt als Aiden Aktionen aus. Oft reicht es, den Stick im richtigen Moment in die richtige Richtung zu bewegen. Dafür ist die Story ein richtiges Schwergewicht: Jodies spielbare Lebensgeschichte strotzt vor Emotionen, gewagten Story-Twists und authentischen Figuren, unterlegt vom Score Hans Zimmers. Ein echter audiovisueller Brocken also, der Mimik und Gestik der Schauspieler wie Ellen Page und Willem Dafoe durch Motion Capture-Verfahren derart authentisch ins Spiel transferiert, dass die Grenze zur Realität schier verschwimmt.

Technisch gibt’s wenige Neuerungen, was auch daran liegt, dass Beyond seiner Generation grafisch schon auf der PS3 einen Schritt voraus war. Die Auflösung wächst immerhin auf 1080p, dazu gibt’s angepasste Lichteffekte, eine verbesserte Sichtweite und ein paar Effekte wie Motion Blur, Tiefenunschärfe und Bloom. Ebenfalls neu: die Option, die einzelnen Episoden in chronologischer Reihenfolge zu spielen. Geschmackssache. Wir finden das ursprüngliche Modell besser, weil es noch mehr Filmflair versprüht. Außerdem gibt’s nach jeder Episode eine Auswertung, die eure Entscheidungen mit denen anderer Spieler vergleicht.


Fazit

Die schlechte Nachricht zuerst: Quantic Dream versäumt es, die zwei Games für die Heavy Rain and Beyond: Two Souls Collection spielerisch auf Stand zu bringen, was den Wiederspielwert für Besitzer der PS3-Versionen mindert. Vor allem in Heavy Rain erinnert die Steuerung mehr an frühe Resident Evil-Teile, denn an Big-Budget-Exklusiventwicklungen. Jetzt die Gute: Das ändert freilich wenig an der Relevanz der beiden Games. Heavy Rain und Beyond: Two Souls sind nach wie vor zwei außergewöhnliche und wichtige Spiele, deren Inszenierung vom großen Budget, das Quantic Dream sowohl für die ursprüngliche Entwicklung als auch die Anpassung zur Verfügung hatte, profitieren. Sicher, an der Gameplay-Armut ändert sich auch mit dem Sprung auf die PS4 nichts. Aber an der Tatsache, dass Heavy Rain und Beyond: Two Souls Spiele sind, die einen auch dann noch beschäftigen, wenn man den Controller weglegt, eben auch nicht. Sollte man gespielt haben.



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