Headhunters: Genre-Mix aus Norwegen Bild: Warner Home Video

Headhunters: Genre-Mix aus Norwegen

Das skandinavische Kino überrascht immer wieder mit Hollywood-Remake-verdächtigen Krimi- und Thriller-Produktionen. Jo Nesbos Headhunters ist auch so ein Kandidat.
Roger Brown (Aksel Hennie) ist eigentlich ein erfolgreicher Typ. Er führt eine gut funktionierende Beziehung mit der hübschen Galeristin Diana (Synnove Macody Lund) und auch von seinem Job als Headhunter und dem damit einhergehenden Verdienst können die meisten Menschen nur träumen. Doch eines martert den Gewinnertyp: seine kleine Körpergröße. Schließlich überragt ihn seine modelartige Freundin bei weitem. Er denkt, 1,68 Meter sind zu wenig, um eine derartige Traumfrau auch halten zu können. Deshalb überschüttet er seine Liebste mit überteuerten Geschenken. Das hält sein Bankkonto selbst bei seinem stattlichen Gehalt nicht aus. Kurzum: Er steht mächtig in der Kreide.


Headhunter am Tag, Kunsträuber bei Nacht

Über die Jahre hat sich Roger deshalb eine zweifelhafte Methode angeeignet: Beim Bewerbungsgespräch befragt er seinen Gegenüber nicht nur nach Lücken im Lebenslauf, sondern nach den persönlichen Gewohnheiten, Ausgehzeiten und den Besitz von Kunstwerken, die dann prompt aus deren Wohnung verschwinden und gegen Plagiate ersetzt werden. Unterstützt wird er dabei von Kumpel Ove (Elvin Sander), der bei einer Sicherheitsfirma arbeitet und die Alarmsysteme aushebelt. Ein echter Rubens soll nun die endgültige finanzielle Unabhängigkeit bescheren. Blöd nur, dass sich die beiden Gangster mit Besitzer Clas Greve (Nikolaj Coster-Waldau) einen beinharten Ex-Elitesoldaten ausgesucht haben.


Wo soll das hinführen?

Basierend auf dem gleichnamigen Roman des norwegischen Bestseller-Autors Jo Nesbo, setzt Regisseur Morten Tyldum bei seiner Inszenierung auf einen Protagonisten der Marke Kotzbrocken. Roger ist ein astreiner Egomane, der, ohne mit der Wimper zu zucken, fremdgeht und selbst bei Monopoly schummelt. Das gefällt, zumal Schauspieler Hennie den Spagat zwischen erfolgssüchtigem Freak der Marke Patrick Bateman aus American Psycho und von Selbstzweifeln zerfressenem Weichling zu jeder Zeit in passendem Ausmaß hinkriegt. Ihm ist es zu verdanken, dass das Publikum dranbleibt, was die teils zu vielschichtige Handlung bei manchem Zuschauer wohl nicht unbedingt hinbekommen hätte. Krimi, Thriller und auch die ein oder andere Splattereinlage – Zu viele Genres will Headhunters bedienen, und ab und an droht die Darbietung, die Grenzen des Glaubhaften zu sprengen. Wenngleich die zuweilen grotesken Formen, die der Film immer wieder annimmt, zweifelsohne für eine gewisse Unberechenbarkeit sorgen. Einige herrlich bizarre Szenen, wie das Abtauchen des Protagonisten in einer Fäkaliengrube, runden diesen Eindruck ab. Die optische Präsentation hätte gerne etwas üppiger ausfallen dürfen. Was der Zuschauer da auf die Augen kriegt, erinnert eher an TV-Produktionen, denn an einen Kinofilm. Unterm Strich bleibt ein insgesamt gelungener Thriller, der immer gut unterhält, manchmal überrascht und nie so recht weiß, in welche Schublade er eigentlich will. Wer auf Genre-Achterbahnfahrten steht, greift zu.



Details

  • Titel: Headhunters
  • Land/Jahr: Norwegen/Dänemark 2011
  • System: DVD, Blu-ray
  • Genre: Thriller
  • FSK: Ab 16 Jahren
  • Regie: Morten Tyldum
  • Darsteller: Aksel Hennie, Nikolaj Coster-Waldau, Synnøve Macody Lund
  • Extras: Making Of
  • Release: Bereits erhältlich
  • Laufzeit: 101 Min.
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Dieser Beitrag stammt von Stefan und dem entertainweb-Team