Nightcrawler: Jake Gyllenhaal als Psycho-Paparazzo Bild: Concorde Filmverleih

Review

Nightcrawler: Jake Gyllenhaal als Psycho-Paparazzo

Dan Gilroy liefert mit Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis sein Regiedebüt. Jetzt ist der Streifen mit Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal auch auf DVD und Blu-ray erhältlich. Wie er abschneidet? Unsere Kritik.
Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) braucht dringend einen Job. Er hat es satt, sich mit kleinen Diebstählen über Wasser zu halten. Alle Bemühungen um eine 08/15-Anstellung bleiben jedoch erfolglos und so findet der ambitionierte Arbeitslose beim zufälligen Beobachten eines Autounfalls samt Paparazzo zu seiner ungeahnten Berufung: Nightcrawler in Los Angeles. Mit Videokamera und Polizeifunk-Empfänger ausgestattet, lauert er fortan mit Praktikant Rick (Riz Ahmed) Opfern von Autounfällen und Morden auf.

Ein Abnehmer der schockierenden Bilder ist in einem TV-Sender schnell gefunden. Die ebenso gewissenlose Nachrichten-Chefin Nina (Rene Russo) kennt im Quotenkampf keine Tabus und wird für Bloom zur sicheren Einnahmequelle. Ihren Morgennews-Zuschauern will sie schließlich pünktlich zum Frühstück möglichst blutige Aufnahmen servieren.   


Jake Gyllenhaals verstörende One-Man-Show

Es ist nicht Jake Gyllenhaals erste starke Rolle. Wir erinnern uns an Donnie Darko aus dem Jahr 2001, in dem der Schauspieler bereits sein Talent für komplexe Charaktere mit psychischer Störung unter Beweis stellte. Das gelingt ihm auch in Nightcrawler. Übrigens: Stolze 13 Kilo musste Gyllenhaal für seine Rolle abnehmen. Lou Blooms hageres Gesicht schreit dem Zuschauer förmlich entgegen – die starrenden Glotzaugen mutieren zum Sinnbild seines soziopathischen Verhaltens. Obwohl wir die Handlung dank Blooms Handkamera häufig aus dessen Perspektive wahrnehmen, vermag der Zuschauer nicht, bis ins Innerste des Protagonisten vorzudringen. Was wohl auch daran liegt, dass der Film mit Hintergrundinfos zu seinem vorherigen Leben geizt. Und doch ist es dieser geheimnisvolle und düstere Sog um ihn herum, der einen zum Hinsehen zwingt. Die Distanz, die wir zu Bloom (und seinem Handeln) wahren, hält selbiger nicht ein und wagt sich stattdessen ganz nahe an das Geschehen heran. Rasant, blutig und unzensiert durch die Straßen L.A.s – den schrecklichen Aufnahmen des Freelancers kann man sich nicht entziehen. Andere Figuren in Nightcrawler bleiben neben dem Anti-Helden aber wortwörtlich auf der Strecke. Beispielsweise erscheint Praktikant Rick in seiner Funktion als personifiziertes schlechtes Gewissen recht unscheinbar.


Fazit

Gekonnt setzt Debütant Gilroy (eigentlich Drehbuchautor) die beklemmende Stimmung seines Films während der gesamten Handlung durch. Unweigerlich gehen – oder besser: fahren – wir mit Bloom 119 Minuten lang mit und steigen von der ersten Sekunde an nicht mehr aus. Auch wenn der Film zugegeben mit der einen oder anderen Verfolgungsjagd weniger ausgekommen wäre. In gewisser Weise fungiert Nightcrawler als Ohrfeige an uns selbst: Ertappt man sich während des Schauens doch bei der eigenen Sensationslust. Dem Sog des Glotzens entziehen? Fast unmöglich. Sie hat uns eben im Griff, die Macht der sensationsgeladenen Bilder.



Details

  • Titel: Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis
  • Land/Jahr: USA 2014
  • System: DVD, Blu-ray
  • Genre: Drama, Thriller
  • FSK: Ab 16 Jahren
  • Regie: Dan Gilroy
  • Darsteller: Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Riz Ahmed
  • Extras: Making-of, Trailer, Wendecover
  • Release: Bereits erhältlich
  • Laufzeit: 119 Min.
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Dieser Beitrag stammt von Stefan und dem entertainweb-Team