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Johnny Marr – The Messenger: Raus aus Morrisseys Schatten

Johnny Marr und Morrissey – diese beiden Namen funktionieren in vielen Fan-Köpfen einfach nicht ohne einander. Dass sie es doch können, beweist Marr mit seinem neuen Album: The Messenger.
Johnny Marr hatte es nach seiner Zeit als Gitarrist bei The Smiths nicht leicht. Vor allem in Bezug auf seinen früheren Bandkollegen Morrissey. Statt sich mit seinen Werken zu befassen, wurde Marr vermehrt mit Fragen zu Reunions und seinem früheren Band-Kollegen belästigt. Er wurde zu einer Art Vermittler, und das hält er mit seinem neuen Album auf amüsante Weise fest. Doch bei aller Reflektionsgabe: Um ein Smiths-Album handelt es sich bei The Messenger nicht. Vergleiche bleiben dennoch nicht aus. Denn der Gesang Marrs wird unweigerlich mit der Stimme seines Ex-Bandmate verglichen, sofern man diese denn kennt. Dennoch: Allein für sich überzeugt Johnny Marr nebst astreiner Gitarrenarbeit auch mit seinem Organ. European Me zum Beispiel baut einen Rahmen traditioneller Gitarrenarbeit auf, um dazwischen ein modernes Rock-Klangbild zu entfachen.

Die Sound geht sofort ins Ohr, der Gitarrist hat eben seinen ganz eigenen Stil. Immer treibend, immer nach vorn und immer mit einem Hauch Melancholie im Schlepptau. Das trifft vor allem auf Lockdown zu, der sich zum Bonsai-Hit mausert. Dazwischen gibt’s mit I want the Heartbeat einen Schuss 77er Punkrock zwischen die Saiten.

Durchhänger gibt’s allerdings auch einige wenige, so unter anderem The Right Thing Right und Upstarts. Anschließend holt Marr glücklicherweise nochmal die Punk-Roots raus und schmettert mit Word Starts Attack zum Abschluss noch einen Brecher – inklusive treibendem Riff. Textlich versetzt Marr wie zu erwarten keine Berge. Muss er aber auch nicht. Denn ein ausgereiftes und überzeugendes Album ist The Messenger allemal geworden. Er ist eben ein Virtuose an der Gitarre, nicht am Mikrofon.

Details

  • Titel: The Messenger
  • Künstler: Johnny Marr
  • Genre: Pop
  • Release: Bereits erhältlich
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Dieser Beitrag stammt von Stefan und dem entertainweb-Team