Stop-Motion: Was ist das eigentlich? Bild: Walt Disney Pictures

Stop-Motion: Was ist das eigentlich?

Man kennt diese Filme mit den Puppen und den abgehakten Bewegungen schon sein ganzes Leben, die Technik dahinter allerdings nicht. Wir klären, was es mit Stop-Motion eigentlich auf sich hat.
Wen es derzeit ins Kino zieht, für welchen Film auch immer, der kommt an Plakaten von Tim Burtons Frankenweenie nur schwer vorbei. Der liebenswerte Außenseiter Victor verliert darin seinen tierischen Kumpel Sparky durch einen Autounfall. Um ihn zu retten, jagt er seinem toten Hund ein paar tausend Volt durch den Leib und erweckt ihn so wieder zum Leben. Dabei sind eigentlich alle „Schauspieler“ dieses Filmes tot, mehr noch: haben nie gelebt! Klar, sind ja auch Puppen. Puppen, die von Tim Burton und seiner Crew zum Leben erweckt wurden.


Zum Leben erweckt – aber wie?

Im Kino besteht eine Sekunde Filmmaterial aus 24 Einzelbildern. Durch diese schnelle Abfolge von Bildern, oder auch Frames, entsteht im menschlichen Gehirn der Eindruck einer flüssigen Bewegung. Auf diesem Phänomen basiert auch Stop-Motion – allerdings schreiten die Dreharbeiten viel langsamer voran, denn hier muss jedes Bild einzeln geschossen werden. So funktioniert’s: Figur platzieren, fotografieren, Figur bewegen, wieder ein Bild machen, Figur ein Stückchen verschieben – und wieder von vorn. Weil dieser immense Zeitaufwand die Kosten einer ohnehin schon millionenschweren Produktion wie Frankenweenie explodieren ließe, arbeiten heutige Regisseure wie Tim Burton mit mehreren Teams parallel, um Zeit zu sparen. Victor und Sparky existieren also nicht nur einmal, sondern fünfmal.

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Als der Theaterbesitzer Georges Méliès die Technik anno 1886 quasi aus Versehen erfand – ein Defekt an seiner Kamera führte zu einem Stocken der Bilder –,gingen die Uhren natürlich noch einen Tick anders. Zwar ist das Grundprinzip bis heute kaum verändert worden. Getrickst wird aber schon. Einerseits wird Computertechnik dazu verwendet, sogenannte Inbetweens, also computeranimierte Zwischenbilder einzubauen. Soll heißen: Die Kamera schießt ein Bild von der jeweiligen Extremposition, also das erste und das letzte Bild einer Bewegungsfolge. Anschließend werden die Zwischenposen digital eingefügt. Das beschert eine flüssige Darstellung und hat den Vorteil, dass der Regisseur auch nachträglich noch Änderungen an den Figuren, beispielsweise der Mimik, vornehmen kann, ohne diese neu modellieren und aufstellen zu müssen. Auch Luftsprünge oder Flugszenen werden erst dadurch möglich. Außer man macht sich Fäden zunutze, aber wir sprechen hier schließlich nicht von der Augsburger Puppenkiste.

Zum anderen lassen sich so lebhaftere Kulissen schaffen, wie sich im Wind biegende Sträucher und Bäume. Oder Effekte wie Regen und Feuer.

Auch wenn Tim Burton mit Werken wie Corpse Bride – Hochzeit einer Leiche oder Frankenweenie zwei der berühmtesten und aktuellesten Stop-Motion-Vertreter geschaffen hat, waren andere nicht untätig. Eine echte Perle ist zum Beispiel Coraline von Laika Entertainment, oder deren neueste Veröffentlichung ParaNorman. Die Wallace & Gromit-Reihe sowie Shaun das Schaf dürfte ohnehin jedem ein Begriff sein.


Selber machen!

Für angehende Regisseure bietet sich das Stop-Motion-Verfahren übrigens ganz hervorragend als Einstieg an. Schauspieler braucht es dafür ja nicht. Ein gewisses Maß an Geduld vorausgesetzt, lässt sich mit relativ geringem Aufwand und überschaubaren finanziellen Mitteln ein eigener Film drehen. Die Pre-Produktion geht im Wesentlichen mit der eines „richtigen“ Filmes konform. Also Idee, Drehbuch, Set, Euqipment und schließlich der Dreh an sich. Anschließend geht’s noch in die Postproduktion mit Schnitt und digitaler Nachbearbeitung. Als Protagonisten halten Lego-Figuren her. Detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen finden sich im Netz übrigens zuhauf. Ein gutes Beispiel findet ihr hier.

Na, Lust auf das Genre oder gar einen eigenen Kurzfilm gekriegt? Schreibt uns einen Kommentar!

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