Iron Sky: Nazis auf dem Mond - jetzt fürs Heimkino Bild: Warner Home Video

Iron Sky: Nazis auf dem Mond - jetzt fürs Heimkino

Der finnische Regisseur Timo Vuorensola ist wahrlich noch ein recht unbeschriebenes Blatt im Filmgeschäft. Mit seinem zweiten Spielfilm Iron Sky lässt er nun Nazis auf dem Mond stranden.

Am Ende des zweiten Weltkrieges gelingt es einer handvoll Elite-Nazis aus dem Neuschwabenland, an Bord sogenannter Reichsflugscheiben zum Mond zu fliehen. Nun, 73 Jahre später, im Jahr 2018, stehen in den Vereinigten Staaten von Amerika die Präsidentschaftswahlen an. Die Topkandidatin der Republikaner: eine an Sarah Palin erinnernde Dame, gespielt von Stephanie Paul. Eben diese, etwas dümmlich wirkende und gleichzeitig herrische Frau, schickt im Rahmen einer PR-Aktion ein Spaceshuttle zum Mond. Eines der Crew-Mitglieder: der Afroamerikaner James Washington (Christopher Kirby). Oben angekommen entdecken die Astronauten anstelle der einst von Neil Armstrong aufgestellten USA-Flagge jedoch etwas weit Erschreckenderes: eine Raumstation – in Hakenkreuzform. Als sich die beiden der mächtigen dunklen Seite des Mondes und eben dieser Weltall-Basis nähern, wird Washington auch schon unter Führung von Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier, Melancholia) gefangen genommen; kurz darauf vom Reichs-eigenen Wissenschaftler Dr. Richter (Tilo Prückner) mittels „Albinisierer“ vom „Neger“ zum „Arier“ umfunktioniert - grandios.

Nazis im All

Das wichtigste an dem exotischen Fund: sein Handy. Denn das Smartphone des Gefangenen dient den Nazis sogleich, um die „Götterdämmerung“, ein gigantisches Kriegsschiff, mit Strom zu versorgen. Als der Akku des Mobiltelefons seinen Dienst versagt, fasst der Führer einen Plan: Der aufstrebende Star-Nazi Klaus Adler (Götz Otto, James Bond: Der Morgen stirbt Nie) soll in verdeckter Mission zur Erde reisen und mehr von diesen Geräten besorgen. Gesagt, getan. Was Adler nicht weiß: Seine Verlobte und Grundschullehrerin Renate Richter (Julia Dietze, Forsthaus Falkenau) ist als blinde Passagierin mit an Bord. Angekommen in der alten Heimat sieht sich die eigentlich so zielstrebige Reichs-Pädagogin dann aber mit allerhand Widersprüchen konfrontiert, die sie letztlich an ihrer Ideologie zweifeln lassen.

Ja, die Darbietung wirkt wie ein einziges Trash-Fest. Und in der Tat: Was Vuorensola hier abliefert, ist Genre-Kost wie sie im Buche steht. Jedoch wesentlich besser als das, was man von besagter Gattung sonst gewohnt ist. Trotz des teils durch Crowdfunding erwirtschafteten und vergleichsweise niedrigen Budgets von rund 7,5 Millionen Euro wirkt der Film in sich sehr wertig. Statt offensichtlich schlecht animierter Action-Szenen setzt der Regisseur auf coole Effekte, hochwertige Kulissen und eine Schauspielerriege, die sich sehen lassen kann. Nicht zuletzt dank des James Bond-Stars Udo Kier, der die Rolle des Hitler-Nachfolgers Inne hat. Zahlreiche Pointen und politisch unkorrekte Gags en masse runden das Paket ab. Käufer der Heimkinofassung freuen sich neben der Bandbreite an Unkorrektheiten übrigens über ein gelungenes Bild samt ordentlichem Schwarzwert sowie ordentlich Krawall aus den Boxen. Das Bonusmaterial hätte etwas üppiger ausfallen dürfen, trotzdem geht die Ausstattung mit Interviews und Featurettes in Ordnung.

Zu weich?

Iron Sky macht ohne Frage vieles richtig. Dennoch hätte Vuorensola trotz der ganzen Witze über Politiker, Nazis und sonstige Machtbesessene ruhig noch eine Schippe drauflegen können. Denn auch wenn sich diese Science-Fiction-Komödie eines heiklen Themas bedient, so hätte sie durchaus noch mehr Zynismus, noch mehr Unkorrektheit und noch mehr verrückte Ideen vertragen. Wer der unkonventionellen Drehbuch-Idee etwas abgewinnen kann, kann einen Kauf getrost in Erwägung ziehen. Genre-Fans kommen sowieso nicht drum herum.



Details

  • Titel: Iron Sky
  • Land/Jahr: Finnland/Deutschland/Australien 2011
  • System: DVD, Blu-ray
  • Genre: Komödie
  • FSK: Ab 12 Jahren
  • Regie: Timo Vuorensola
  • Darsteller: Götz Otto, Udo Kier, Christopher Kirby
  • Extras: Featurettes, Interviews, Berlinale-Special, Galerie, Teaser & Trailer
  • Release: 26.10.2012
  • Laufzeit: ca. 92 Min
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