Pro Evolution Soccer 2016 im Test Bild: Konami Digital Entertainment

Review

Pro Evolution Soccer 2016 im Test

Seit der Veröffentlichung von Pro Evolution Soccer 2016 sind nun schon ein paar Wochen vergangen – Zeit, die wir genutzt haben, um die Simulation ausführlich zu zocken. Unser Test.
Bei den Fußballsimulationen ist es für viele wie bei Fast-Food Restaurants – jeder hat seinen Favoriten. Burger King oder McDonalds, FIFA oder PES. Überzeugte FIFA-raner halten nicht viel vom japanischen Konkurrenten, PES-Anhänger stehen dem EA-Game kritisch gegenüber. Seit Jahren kämpfen die beiden Games um die Vorherrschaft bei den Fußballsimulationen. FIFAs größter Trumpf ist zugleich PES' größte Schwäche: die Lizenzen – auch in diesem Jahr. Bei Pro Evolution Soccer muss man unter anderem ohne Bundesliga auskommen – einzig Wolfsburg, Bayern und Borussia Mönchengladbach sind vertreten –, die Mannschaften der Premier League sind zwar mit allen Spielern dabei, allerdings heißen die Mannschaften, wie schon in den vergangenen Spielen, Merseyside Red, North London oder Man Blue statt Liverpool, Arsenal und Manchester City. Komplett lizensiert sind von Europas Topliegen nur die spanische La Liga, die französische Ligue 1 und die niederländische Ehrendivision.

Und dennoch überzeugt der neue Pro Evolution Soccer-Teil. Es ist die beste Version der Fußballsimulation der vergangenen Jahre. Und das liegt vor allem an der aufpolierten Grafik, der neuen Engine – und dem Beibehalten bekannter Gameplay-Stärken.

Beim Aussehen der Spieler trifft Pro Evolution Soccer 2016 fast immer ins Schwarze, zumindest bei den großen Stars. Selten waren die Konsolenkicker ihren leibhaftigen Vorbildern so ähnlich. Eher unbekannte Kicker wie Lars Stindel oder Raffael lassen diese überzeugende Ähnlichkeit allerdings vermissen. Und auch in puncto Zuschauer hat Konami nachgebessert. Nur noch sehr selten gibt es schlecht animierte, hölzern wirkende Fans. Ein Kameraschwenk in die Menge ist realistischer denn je.


Physis und Physik

Und auch auf dem Platz hat das Spiel an Realismus gewonnen. Zwar war Pro Evolution Soccer seit jeher für seine taktischen und spielerischen Möglichkeiten bekannt, allerdings hat die  neueste Version nochmal einen Schritt nach vorne gemacht. Die Eigenschaften der echten Spieler wurden auf den Platz übertragen. Wer einen Manuel Neuer im Tor hat, kann durchaus damit rechnen, dass dieser auch weit vor dem eigenen Sechzehner mal einen Ball klärt. Das kann manchmal nerven, ist aber eben auch in der Realität so und vereitelt auf diese Weise mal den ein oder anderen Konter des Gegners. Oder lässt eben eine Chance zu. Selbst die Spielstile einzelner Mannschaften bringt Konami gut auf den Platz. So muss man selbst seine Taktik stets an den Gegner anpassen. Entsprechend groß und vielfältig sind die Möglichkeiten.

Nachgebessert haben die Japaner auch beim Dribbling und Zweikampf. Die physischen Voraussetzungen eines Spielers wiegen schwerer. So wird das Dribbling auch mit anderen Spielern als Messi und Ronaldo erleichtert, ganz ohne Tricks. Beispielsweise kann man sich etwa mit Robert Lewandowski auch mal durchtanken, ähnlich mit Jerome Boateng einen leichten Stürmer abdrängen. Das ist besser als noch letztes Jahr.

Ein abprallender Ball nach Latten- oder Pfostentreffer, Zusammenstöße der Spieler, Pressschläge – all das wird physikalisch extrem realistisch dargestellt. Die Folge: Der Zufall spielt eine größere Rolle, der Kampf um die zweiten Bälle kann situativ entscheidend sein, ob ein Konter eingeleitet wird oder doch noch eine Torchance entsteht. Apropos situativ: Bemerkenswert ist, dass sich auch die computergesteuerten Spieler schnell neuen Situationen anpassen. Das Umschalten von Angriff auf Abwehr beispielsweise ist fließend geworden, sich wiederholende Spielzüge: Fehlanzeige. Das Einzige, das sich wiederholt ist der – in unserer Testversion nur in englische Sprache vorhandene – Kommentar. Allerdings beschreibt er das Spielgeschehen meist treffend. Und das energische „Lewandowskiiiiii“, wenn der Münchner Stürmer einen Knaller aufs Tor loslässt, bringt eine ordentliche Portion Emotionen.


Besser als FIFA?

Insgesamt liefert Konami mit PES 2016 eine richtig starke Leistung ab. Immer wieder entdeckt man neue Kleinigkeiten und Details – etwa Schweißperlen auf den Gesichtern der Spieler. Durch das aufgeräumte Menü navigiert es sich intuitiv und einfach. Das flüssige Spielen und die klasse Grafik sorgen für ordentlich Spielspaß – offline wie online. Die dieses Jahr besseren Möglichkeiten, PES individuell zu optimieren dürfte dazu führen, dass auch das Manko der fehlenden Lizenzen bald Geschichte ist – wenn auch nicht auf offiziellem Wege. Und ist das neue PES wirklich besser als FIFA 16? Schwer zu sagen. Am Ende ist es wie bei Fastfood-Restaurants – wer jahrelang zum goldenen M pilgert, wird sich die Krone nicht aufsetzen.


Details

  • Titel: Pro Evolution Soccer 2016
  • System: PC, PS3, Xbox 360, PS4, Xbox One
  • Genre: Sport
  • USK: Ohne Altersbeschränkung
  • Release: Bereits erhältlich
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