Mafia 3: Das Rache-Drama im Test Bild: 2K Games

Review

Mafia 3: Das Rache-Drama im Test

Mit Mafia 3 bringen 2K und Hangar 13 das am heißtesten gehandelte Open-World-Game des Jahres. Ob es der Ausflug in die 60er aber wirklich mit dem großen Bruder GTA 5 aufnehmen kann? Test.
1968 – was für ein Jahr: Vietnam-Krieg, Martin Luther King, Robert F. Kennedy, Black Panther – Aufruhr! Ihr habt eure Geschichtshausaufgaben ja gemacht und wisst, was damals alles abging. Eine aufregende Zeit und die perfekte, um ein Videospiel darin stattfinden zu lassen. In Mafia 3 blickt der Spieler deshalb dem Vietnam-Heimkehrer Lincoln Clay über die Schulter, der nach getaner Pflicht zurück nach New Bordeaux kommt – der virtuellen Version von New Orleans.

Und passend zum wilden Setting bringt schon die erste Mission den Tacho auf Anschlag. Erst als Cops verkleidet auf die Polizeiwache, dann eine handfeste Schießerei und schließlich eine astreine Verfolgungsjagd – im Boot. Während Clay und seine Kumpanen durch die Kanalisation peitschen, wummern Hendrix, Paint it Black und Steppenwolf aus den Boxen. Man ist sofort drin, im Sixties-Feeling. Dramaturgisch näher am Film als die meisten anderen Games, tötet die italienische Mafia als auslösendes Ereignis Lincolns Ziehfamilie. Der Protagonist kratzt selbst fast ab, kriegt aber noch die Kurve und schwört Rache. Das sind Stoffe, aus denen Heldenreisen gemacht werden. Zumal wenn sich wie bei Mafia 3 dramatische Rückblende im Dokumentar-Stil mit starken Dialogen von saucoolen Figuren wie dem CIA-Informant Donovan oder dem alten Bekannten Vito Scaletta abwechseln. Und dann ist da auch noch die Rivalität zwischen der Mafia, den Schwarzen und der Southern Union – der Antwort auf den Ku-Klux-Klan. Entwickler Hangar 13 schafft es sogar, die Rassismus-Probleme der damaligen Zeit realistisch ins Spiel zu kriegen.

So viel Zündstoff für die Story. Nach ein paar Spielstunden muss man dann aber erkennen: Der Weg von einem Plotpoint zum nächsten fühlt oft mehr nach Füllmaterial an, als nach Heldenreise.


Nebenmissions-Zwang

Wo der große Bruder aus dem eigenen Haus GTA 5 nämlich ein Missionsdesign vom Feinsten auffährt, bietet Mafia 3 gute Standard-Action. Oft sieht das so aus: Für Clays drei Leutnants Vito, Cassandra und Burke feindliche Einrichtungen übernehmen. Erst zu einem bestimmten Ort – zum Beispiel einen Nachtclub – fahren und dort alle Feinde umbringen und den Informanten verhören, der Clay dann ein weiteres Domizil steckt. Dorthin fahren, alle umlegen und Schaden anrichten, indem man wahlweise Drogen, Alkohol oder sonstige Schmuggelware zerstört, mit der die Übeltäter ihre Brötchen verdienen. Auf Wunsch Geld klauen. Und schließlich, wenn sich der Boss der jeweiligen Einrichtung vor lauter Wut aus der Deckung wagt: zur dritten Einrichtung fahren, alle umlegen und sich letztlich den Boss vorknöpfen. Hier lässt einem das Spiel dann die Wahl: umbringen oder rekrutieren. Dann den Laden einem der Leutnants übergeben und warten, dass man danach endlich die nächste Story-Mission spielen darf. Aber auch hier gilt: Die Liebe zum Detail, die einem auch Jahre nach dem Durchspielen noch Szenen aus GTA 5 ins Hirn zaubert, die fehlt hier einfach zu oft.


Krawall statt Stealth

Abgesehen von Missions-Eintönigkeit macht Mafia 3 spielerisch mit zig coolen Karren, der passenden Fahrphysik, Schadensmodell und ausladenden Schießereien sowie sauberem Deckungssystem natürlich Laune. Die Stadt versprüht dieses einzigartige Flair. Zumindest wenn man nicht zu sehr auf die Details schaut. Im eigentlich sehr schön gestalteten New Bordeaux ist immer ein bisschen zu wenig los, Nebenmissionen gibt’s bis auf aufzusammelnde Playboy-Magazine und abzuhörende Verteilerkästen kaum, Aktivitäten wie in GTA 5 auch nicht. Die NPCs sind ein bisschen zu dumm, die Bullen lassen sich ein bisschen zu schnell abhängen und das auch auf dem schwierigsten Schwierigkeitsgrad. Vielleicht wäre das bei anderen Spielen weniger ärgerlich. Aber Mafia 3 hat eben starke Vorgänger und starke Genre-Kollegen, an denen es sich messen lassen muss. Was aber wirklich ärgerlich ist: die dumme Gegner-KI, vor allem in Kombination mit dem verhunzten Stealth-Modus. Beispiel: Lincoln duckt sich in der Nähe einer Gegnergruppe hinter einer Mauer und pfeift. Der erste Gegner kommt an, lässt sich überwältigen. Weiter geht’s, zweiter Pfiff. Ohne die Leiche seines Kollegen zu sehen, trottelt der zweite Gegner los und lässt sich von Clay ins Nirwana boxen. Dritter Pfiff, dritter Schlag. Könnten wir jetzt unendlich weiter strecken.

Wer sich einen Gefallen tun will, pfeift auf die Schleichtaktik und macht von den coolen Waffen Gebrauch. Davon gibt’s in Mafia 3 nämlich reichlich, inklusive Ausrüstungs-Upgrade-Optionen.


Fazit

Mafia 3 bietet ein wahnsinnig interessantes und unverbrauchtes Szenario. Einen coolen Schauplatz mit einer spannenden Story und starken Figuren. Und dazwischen wäre so viel Platz für ein innovatives oder zumindest abwechslungsreiches Spielkonzept gewesen. Hangar 13 hätte New Bordeaux zum Atlantic City der Videospiele machen können. Am Ende ist allerdings „nur“ ein ganz gutes Open-World-Action-Spiel mit etlichen Macken draus geworden.



Details

  • Titel: Mafia 3
  • System: PC, PS4, Xbox One
  • Genre: Action
  • USK: Keine Jugendfreigabe
  • Spieler: 1
  • Release: Bereits erhältlich
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