Review Review Bild: Sony Computer Entertainment

Soul Sacrifice: Zaubern statt Klingen schwingen

Der Mega Man-Schöpfer Keiji Inafune hat dem Gaming-Enthusiast ein neues Spielzeug mitgebracht. Soul Sacrifice heißt sein aktuelles Werk und erscheint exklusiv für Sonys PS Vita.
In bester Third-Person-Manier zieht der Spieler als Zauberer in die Schlacht. Und dabei sitzt er eigentlich im Kerker, gefangen gehalten vom bösen Zauberer Magusar. Immerhin hat der Häftling etwas zum Lesen in seiner Zelle: Das Buch Librom, welches Aufzeichnungen eines anderen Zauberers birgt, die der Spieler durch Lesen nacherlebt. Relativ zäh erzählt, mit einigermaßen lahmer englischer Sprachausgabe, dafür aber mit geschmeidiger Steuerung und ordentlichem Gameplay-Ansatz.


Gliedmaßen ab, Spezial-Angriffe rein

Ähnlich wie in Monster Hunter gilt es, kleinere und größere Aufträge zu erfüllen. Meist eine bestimme Anzahl an Monstern unschädlich machen, bestimmte Items finden, oder monströse Kreaturen erlegen. Da die Handlung nichtlinear daher kommt, darf der Spieler vor dem Auftrag zwischen verschiedenen Abschnitten entscheiden. Anschließend geht’s in die jeweilige Arena, wo der Auftrag absolviert wird. Soweit, so Genrestandard. Was Soul Sacrifice aber von seinen Action-Adventure-Kollegen unterscheidet, ist die Option zur wahrhaftigen Opferung der eigenen Spielfigur. Das funktioniert so: Man gibt ein Körperteil auf, um neue Fähigkeiten freizuschalten. Dafür gehen aber wichtige Verteidigungspunkte flöten, die sich nur für einen bestimmten Preis zurückkaufen lassen. Die Kämpfe werden noch um eine weitere taktische Komponente bereichert: Bei jedem besiegten Gegner entscheidet der Spieler, ob er den Gegner opfert oder erlöst. Wer gnädig ist, verbessert Lebensenergie und Verteidigung. Wer opfert, tankt Magie und Angriffsstärke.


Ohne Schwert, trotzdem stichhaltig

An den Kragen geht’s den Widersachern aber nicht – wie sonst üblich – mit einem Arsenal von Hieb- und Stichwaffen, sondern mit Zaubersprüchen. Davon finden sich mehrere Hundert in der Welt von Soul Sacrifice, mal als Belohnung für das Erledigen mächtiger Gegner, mal einfach versteckt. Parallel mit sich führen, darf der Spieler immer sechs an der Zahl. Das reicht aber auch aus, lassen die Sprüche genug Kombinationsfreiraum. Mit sogenannten Siegeln lassen sich die Zauber zudem aufrüsten. Die Ausbeute: Spezialangriffe wie die Blutkanone, die allerdings Gesundheit kostet, oder das Beschwören eines Golems, der alles kurz und klein haut. Aber Vorsicht: Die Zauber halten nicht ewig. Wer die Nutzung trotz Warnung übertreibt und keine Station zum Aufladen findet, läuft sogar Gefahr, die Zauber zu zerstören. Das gefällt.

Die inneren Werte von Soul Sacrifice können sich also durchaus sehen lassen. Äußerlich gibt sich Inafunes neues Werk schön schaurig und angenehm frei von Japano-Kitsch. Allerdings kämpfen Schauplätze und Texturen teils mit arger Detailarmut. Wem es vor allem auf forderndes Gameplay ankommt, erhält hier aber ein erfrischendes Action-Adventure, das mit Hilfe durchdachter Spielelemente die etwas eintönige Story vergessen lässt. Vita-Fans greifen aus Mangel an Genre-Alternativen ohnehin zu.



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