Kino-News: Jojo Rabbit Bild: 20th Century Fox

Kino-News: Jojo Rabbit

Die oscar-nominierte Tragikkomödie über das Kindsein in der Nazi-Zeit ist jetzt in den deutschen Kinos zu sehen
An der Aufgabe, die Person Hitler und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs mit einer Portion Humor zu be- und verarbeiten, haben sich schon viele versucht. Man denke da nur an den großen Charlie Chaplin mit Der große Diktator und Ernst Lubitsch Sein oder Nichtsein, die es noch zu Hitlers Lebzeiten wagten, ihn auf die Schippe zu nehmen, Mel Brooks Frühling für Hitler, John Boormans Hoffnung und Ruhm, Roberto Benignis Das Leben ist schön, Quentin Tarantinos Nazijäger-Film Inglorious Basterds oder zuletzt die deutsche Produktion Er ist wieder da, die Hitler in der Gegenwart wiederauferstehen ließ. 

Ein Film gegen den Hass

Viele dieser Filme hinterließen einen nachhaltigen Eindruck auf Taika Waititi, den neuseeländischen Regisseur, der mit Thor: Tag der Entscheidung einem breiteren Publikum bekannt wurde. Seinen Sinn für das Komische konnte Waititi auch in Thor bereits unter Beweis stellen, abseits des Marvel-Universums ist sein Stil schräger und geprägt von schwarzem Humor, den er gekonnt einzusetzen weiß, um etwaige Tragik weicher zu unterfüttern. 

Als Kind einer jüdischen Mutter und eines Maori erfuhr Waititi schnell, wie es sich anfühlt, Opfer von Vorurteilen zu werden. Vorurteile gegen Menschen anderer Hautfarbe, anderer Herkunft und anderer Gesinnung, die in unserer heutigen Zeit nicht weniger, sondern nur mehr zu werden scheinen. Vielleicht ist der 2. Weltkrieg einfach wirklich schon zu lange her und seine Schrecken geraten trotz der unaufhörlichen Bemühungen der letzten Zeitzeugen mehr und mehr in Vergessenheit. Der Film Jojo Rabbit, eine tiefschwarze Satire auf die deutsche Psyche vergiftet von der Nazi-Ideologie, soll den Menschen einen Spiegel vor Augen halten und den Hass, der auch in der heutigen Gesellschaft wieder umgeht, greifbar machen. Als Vorlage für Jojo Rabbit diente Waititi der Roman Caging Skies von Christine Leunens.  

Ein Junge im Zwiespalt

Im idyllischen Städtchen Falkenheim haben die Nazis das Sagen, auch als der Krieg schon fast vorbei ist. Doch davon will der junge Jojo Betzler (Roman Griffin Davis) nichts wissen, denn endlich ist er alt genug, um Teil der örtlichen Hitlerjugend zu werden – eine Chance, auf die er zehn Jahre gewartet hat. Jojo will dazugehören und hofft, dass er mit der Mitgliedschaft endlich in der Lage sein wird, seine geliebte, alleinerziehende Mutter Rosie (Scarlett Johansson)  zu beschützen. Denn Jojo ist ein netter Kerl mit dem Herz am rechten Fleck, aber heillos manipuliert von der allgegenwärtigen Nazi-Propaganda. Hitler ist Jojos großes Idol, das er sich in der Form eines erträumten unsichtbaren Freundes und Ratgebers als konstante Präsenz in sein Leben holt. Als er herausfindet, dass seine Mutter den ganzen Krieg über das jüdische Mädchen Elsa (Thomasin McKenzie) in Jojos Haus versteckt hielt, kommen seine Glaubensgrundsätze aber ordentlich ins Wanken. 

Jojo Rabbit erhielt insgesamt sechs Oscar-Nominierungen, darunter als Bester Film und für Scarlett Johanssons Leistung als Beste Nebendarstellerin. 


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