Schlender-Horror: Here They Lie im Test Bild: Sony Interactive Entertainment

Review

Schlender-Horror: Here They Lie im Test

Trotz riesigem Potenzial sind Horror-Games sind auf PlayStation VR aktuell noch Mangelware. Eine der wenigen Ausnahmen: Here They Lie. Was das Spiel kann, verraten wir im Test.
Die gängige Reaktion auf den Namen Here They Lie: Schulterzucken. Den Titel kennt man vielleicht noch, aber was es damit auf sich hat, wissen die wenigsten. Klar, gab ja bis vor Kurzem auch kein Material, bis auf einen kryptischen Trailer. Dabei sind die Entwickler von Tangentlemen keine unbeschriebenen Blätter, haben vorher unter anderem an Tomb Raider und Call of Duty gearbeitet. Für Here They Lie haben sie aber einen ganz neuen Ansatz gewählt.

Aus der Ego-Perspektive erkundet der Spieler eine albtraumhafte, verquere Welt, in der an jeder Ecke Bedrohungen lauern. Eine Welt, die in Schwarz-Weiß gehalten ist und diese Tristesse nur in wenigen Momenten aufbricht – dann aber in starkem Kontrast. Spielerisch ist Here They Lie keine Herausforderung. Eigentlich besteht das Game nur aus Erkunden, Schleichen und Schockmomenten. Man bewegt sich durch die Spielwelt, sammelt Papierfetzen auf und liest die Textschnipsel darauf – und lässt sich dazwischen von Jump-Scares erschrecken und haut vor Widersachern ab. Wehren kann man sich in Here They Lie nicht. Das gehört wie zum Beispiel auch in Outlast zum Konzept und macht das Spiel noch auf einer weiteren Ebene spannend. Falls man in der Zwischenzeit doch mal den virtuellen Löffel abgibt: Halb so wild, denn die Rücksetzpunkte fallen sehr fair aus.


Motion Sickness im U-Bahn-Schacht

Oder man nutzt das Ableben für eine Pause, denn am besten genießt man das Spiel in kleinen Häppchen. Und hier sind wir beim größten Kritikpunkt: Motion Sickness. Here They Lie kann für Kopfschmerzen und Übelkeit sorgen. Und zwar heftig. Warum das so ist: wohl wegen der Steuerung. Will man sich in Here They Lie umsehen, erfolgt das nicht mit einer normalen Drehung wie man sie aus jedem Ego-Shooter kennt. Nein, beim Manövrieren mit dem rechten Analogstick blendet das Spiel die tatsächliche Drehung aus und setzt nach einem Cut an der neuen Position wieder ein. Laut den Entwicklern soll das vermeiden, dass einem allzu schlecht wird. Wiederholt man das ein paarmal, merkt man's trotzdem schnell in der Magengegend. Und wenn dann noch fehlendes Kollisionsfeedback mit Objekten dazukommt, wird’s schwierig.

Schade eigentlich. Denn abseits davon geben sich die Entwickler sichtlich Mühe, die Spielerfahrung so angenehm wie möglich zu halten. Die Routen sind schön linear, nur selten gibt’s Abzweigungen zu alternativen Wegen, die Spielfigur bewegt sich langsam. Alles sehr simpel. Allerdings reicht das auch schon, denn hier geht’s eher um die Spielerfahrung und die kryptische Story. Man fragt sich: Wer ist dieser riesige Anzugträger, der plötzlich aus einem Gemälde im U-Bahn-Schacht kommt und einem eine Heidenangst einjagt. Und wer ist die nette Dame vom Beginn und was will sie eigentlich? Nach gut zwei Stunden wisst ihr mehr, denn dann ist der Gruselspaß auch schon vorbei.


Fazit

Das Artdesign von Here They Lie ist richtig gut geworden, die Schockmomente heftig und das Spielkonzept spannend genug. Wer auf Horror steht und PlayStation VR besitzt, kann hier zuschlagen. Zumal Here They Lie schon für 20 Euro zu haben ist und aktuell noch etwas Horror-Armut auf dem neuen System herrscht. Motion-Sickness-Anfällige machen aber besser einen großen Bogen darum.


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