Spotify rudert zurück: Hass-Inhalte doch weiterhin in Featured Playlists Bild: Thinkstock

Spotify rudert zurück: Hass-Inhalte doch weiterhin in Featured Playlists

Nach Rassismus-Kritik darf der Rapper XXXTentacion doch wieder in Spotifys Playlists erscheinen

Spotify verschärfte Richtlinie gegen Hass schürendes Verhalten


Anfang März hat der beliebte schwedische Musik-Streaming-Dienst unter viel öffentlichem Beifall verkündet, eine Firmenrichtlinie zu „Hass-Inhalten und Hass schürendem Verhalten“ einführen zu wollen. Eine ähnliche Richtlinie gibt es auf Twitter bereits seit Dezember 2017. Während sich die Twitter-Richtlinie ausschließlich auf digitale Inhalte auf der Plattform bezieht, ging Spotify noch einen Schritt weiter.

„Wir zensieren Inhalte nicht aufgrund des Verhaltens eines Künstlers oder Urhebers, aber wir möchten, dass unsere redaktionellen Entscheidungen – was wir ins Programm aufnehmen – unsere Werte reflektieren. Wenn ein Künstler oder ein Urheber etwas tut, das besonders schädlich oder Hass schürend ist (zum Beispiel Gewalt gegen Kinder oder sexuelle Gewalt), könnte das Auswirkungen darauf haben, wie wir mit einem Künstler oder Urheber zusammenarbeiten oder ihn unterstützen.

R. Kelly und Rapper XXXTentacion aus den Playlists gestrichen


Das bedeutet, dass Spotify nicht nur anstößige, gewaltverherrlichende oder unangemessene Inhalte verbietet, beispielsweise in Song-Lyrics und Album-Artworks, sondern dass auch das öffentliche und private Verhalten von Künstlern und Urhebern zur Bewertung herangezogen wird. Die Entscheidung über eine Entfernung eines Künstlers aus dem Angebot will der Streaming-Dienst von Fall zu Fall treffen. Bisher ging Spotify aber auch schon gegen Künstler vor, wenn nur ein nicht eindeutig bewiesener Verdacht vorlag. Bereits vergangenes Jahr hat Spotify etwa 20 Bands aufgrund der Verbreitung von Hassbotschaften und angeblichen Verbindungen ins Neo-Nazi-Milieu aus dem Angebot entfernt. Die neue verschärfte Richtlinie forderte ebenfalls schon zwei prominente Opfer: Zuerst versteckte Spotify die Werke des umstrittenen R´n´B-Sängers R. Kelly, der schon jahrelang beschuldigt wird, sexuelle Kontakte zu Minderjährigen zu pflegen. Kürzlich wurde in einem Buzzfeed-Artikel außerdem von den Eltern einer Betroffenen behauptet, der Sänger würde Frauen gegen ihren Willen in einer Art Kult festhalten. Verurteilt wurde er allerdings nie. Daraufhin trafen die Verantwortlichen bei Spotify die Entscheidung, den Künstler nicht mehr in kuratierten Playlisten zu berücksichtigen und ihn Nutzern nicht mehr als Musikempfehlung vorzuschlagen, er konnte allerdings weiterhin normal aufgerufen werden.

Als zweites traf es diesen Monat den Chart-stürmenden Rapper XXXTentacion, der bereits wegen häuslicher Gewalt gegen eine schwangere Frau zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Das Management des Rappers fand das nicht lustig und brachte daraufhin eine Liste mit anderen Künstlern in Umlauf, die nach Spotifys Interpretation der neuen Unternehmens-Richtlinie ebenfalls von der Plattform verschwinden müssten, darunter musikalische Schwergewichte wie Gene Simmons von KISS wegen sexueller Gewalt, Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers wegen sexueller Nötigung, David Bowie wegen Missbrauchs-Vorwürfen, Ozzy Osbourne wegen häuslicher Gewalt, Jimmy Page von Led Zeppelin wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen und noch viele mehr. Kritiker wiesen darauf hin, dass es sich bei den beiden Opfern ausgerechnet um zwei schwarze Männer handelt, während weiße Künstler augenscheinlich ungeschoren davonkommen. Kendrick Lamar´s Management hat daraufhin wiederum angedroht, seine Musik aus dem Spotify-Stream zu entfernen – was Spotify potentiell herbe finanzielle Verluste einbringen könnte.

Profit triumphiert über noble Absichten


Der Rassismus-Vorwurf, kombiniert mit drohenden finanziellen Nachteilen war schließlich zu viel Druck für Spotify. Die Verantwortlichen lenkten ein und XXXTentaction darf wieder in den gewohnten Playlists auftauchen. Insider-Berichten zufolge ist die neue Richtlinie auch bei Spotify intern heftig umstritten und gilt als nicht umsetzbar. Es scheint so, als hätte man beim schwedischen Streaming-Dienst die gut gemeinte und an sich richtige Maßnahme nicht bis zum Ende durchgedacht. Es wird sich zeigen, was daraus wird.
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