Lost: Die Illusion eines fertigen Meisterwerks Bild: ABC

Lost: Die Illusion eines fertigen Meisterwerks

2010 war das Jahr des Lost-Finales. Hendrik Efert hat mit Dr. Dennis Eick über den Stellenwert der Serie und die Lage komplexer TV-Stoffe gesprochen.

Der frühere RTL-Redakteur ist heute selbst Drehbuchautor und Dozent an der HFF Potsdam und der Uni Köln.

Lost gilt als eine der einflussreichsten US-Serien der letzten Jahre. Und dennoch: Nur 390.000 sahen das große Serienfinale im deutschen Fernsehen auf kabel eins. Hat Lost am Ende doch nicht so eine große Bedeutung?

Lost ist ein Beispiel für wirklich herausragendes Erzählen; für einen gewissen Grad an Komplexität, der in seriellen narrativen Formaten sonst wirklich selten vorhanden ist. Die Komplexität macht es für den Zuschauer allerdings auch schwer, der Serie zu folgen. Und die Einschaltquoten haben von Staffel zu Staffel abgenommen.

Also ist Lost eher eine DVD-Serie?

Im Grunde schon. Das ist ähnlich wie bei 24. Die Serie hat im Fernsehen bei der normalen Programmierung auch nie Spaß gemacht. Aufgrund dieser hervorragenden Cliffhanger und der Dramaturgie möchte man ja sofort wissen, wie es weiter geht. Man hat dann ja auch versucht, dem mit Doppelfolgen entgegenzuwirken. Aber wirklich Spaß machen 24 oder Lost erst, wenn man sie auf DVD guckt. Ich kenne auch viele Leute, die eine Staffel 24 an einem Wochenende durchgesehen haben. Und so ähnlich ist es eben mit Lost.

Also war Lost im Grunde genommen ungeeignet fürs Fernsehen?

Lost ist eine Serie, die wie keine andere in den letzten Jahren einen eigenen narrativen Kosmos entwickelt hat. Der ist in sich so komplex und so verschachtelt, dass die Leute - die es wirklich aushalten mit der Serie - immer stärker hineingezogen werden. Es werden ständig neue Rätsel aufgemacht und es werden immer neue Verstrickungen und Verzweigungen etabliert. Weiterlesen...

Artikel bewerten
(2 Stimmen)