Ein Klempner zieht seinen Hut: Super Mario Odyssey im Test Bild: Nintendo

Review

Ein Klempner zieht seinen Hut: Super Mario Odyssey im Test

Mit Super Mario Odyssey feiert der Vorzeige-Klempner sein Solo-Debüt auf der Switch und will damit einmal mehr den Spitzenplatz auf der Jump-and-Run-Rangliste verteidigen. Test.
Nintendo hat ein gutes Jahr. Sogar so gut, dass man fast vergessen könnte, wie sehr das Traditionsunternehmen in der letzten Konsolengeneration danebengelangt hat. Die Wii U? Nur noch eine verstaubte Erinnerung. Zugegeben: Ganz so verstaubt auch wieder nicht, aber ein Blick in die wenig ruhmreiche jüngere Vergangenheit fällt eben schwer, wenn man sich den Erfolg der Switch anschaut. Die Verkaufszahlen der Hardware stimmen, mit Zelda: Breath of the Wild und Super Mario Kart 8 Deluxe sind zwei First-Party-Zugpferde auf dem Markt und jetzt reiht sich ein weiterer System Seller mit ein: Super Mario Odyssey.


Bowser, der Bräutigam

Und weil sich manche Dinge eben nie ändern, ist es einmal mehr Bowser, der für Ärger sorgt. Er kidnappt Prinzessin Peach nicht nur, er will sie sogar unter Zwang heiraten. Bowser heizt durch die verschiedenen, allesamt liebevoll designten Reiche, um Hochzeitsutensilien zu besorgen. Zum Beispiel Ehering, Brautstrauß und das Festessen. Und Mario nimmt via titelgebendem Luftschiff Odyssey die Verfolgung auf. Wie immer ist dieses auslösende Ereignis nicht der Auftakt für eine storylastige Abenteuerreise, sondern bloße Rechtfertigung für stundenlange Jump-and-Run-Eskapaden auf allerhöchstem Niveau. Und das ist auch gut so, weil Nintendo die Gameplay-Erfolgsformel verändert. Auch wenn sich Odyssey in seinen Grundzügen wie Super Mario 64 spielt.

Allerdings gelangt Mario jetzt nicht durch Türen in abgeschlossene Levels, sondern folgt Bowser mit der Odyssey durch verschiedene kleine Reiche, die sich allesamt wie kleine offene Spielwelten anfühlen und ein eigenes Thema haben. Zum Beispiel verschlägt es Mario in eine Wüstenlandschaft mit Ruinen, in einen Dschungel, in eine Unterwasserwelt und sogar in eine Stadt im Stil von New York. Grafisch ist das alles State of the Art und der motivierende Orchester-Soundtrack fügt noch ein Extra-Quäntchen Drive hinzu.


Cappy, dein bester Freund

Die Areale sind vollgepackt mit Interaktionsmöglichkeiten. Ihr könnt dabei entweder auf eigene Faust losziehen oder der kleinen Story folgen, die jedes Areal bietet. So oder so: Das Leveldesign ist mit seinen Möglichkeiten optimal ausbalanciert und versprüht durch das eigensinnige Artdesign freilich stets den typischen Nintendo-Charme. Überall warten kleine Überraschungen, Rätsel, Hüpf-Herausforderungen und manchmal darf Mario sogar in bester Super Mario Bros-Manier in 2D-Arealen ran.

Das Ziel bleibt aber immer gleich: Den Endgegner im Areal besiegen und auf dem Weg dorthin möglichst viele Monde sammeln. Die braucht Marios Luftschiff nämlich als Antrieb. Immer mit dabei: Marios neuer Begleiter Cappy. Die lebendige Mütze dient als Multitool, das Mario als Bumerang nutzt, um Kisten zu zerdeppern, Gegner aufs Korn zu nehmen und sogar die Kontrolle über andere Wesen zu übernehmen. Mario nimmt dann aber nicht nur das Äußere der jeweiligen Figur an, sondern auch ihre Eigenschaften. Als Frosch springt er also besonders weit, im Körper eines Sauriers ist er viel stärker und als Kettenhund reißt er sogar ganze Wände ein. Oder er steuert Autos fern. Wahlweise kann auch ein zweiter Spieler die Rolle der schlauen Mütze übernehmen, das ist aber eher ein nettes Gimmick als richtiger Koop.

Freilich sorgt Cappy noch für weit mehr Möglichkeiten, die hier den Rahmen sprengen würden. Aber ihr könnt’s euch schon denken: Nintendo zieht bei Super Mario Odyssey einmal mehr alle Spielspaß-Register und sorgt in Sachen Gameplay für die perfekte Balance aus traditionellen, intuitiven und neuen Spielelementen. Besonders schwierig ist das Spiel erst mal nicht. Dafür ist immer klar, was als nächstes zu tun ist und wenn Mario trotz eingängiger Steuerung doch mal in die Tiefe stürzt, geht’s um ein paar Münzen erleichtert einfach weiter. Einen Game-Over-Screen gibt’s nicht. Allerdings: Nach der ca. 15-stündigen Kampagne warten weitere Herausforderungen – und die sind dann auch eine ganze Ecke knackiger.

Technisch geht all das sowohl im Dock- als auch im Handheld-Modus ohne Makel über die Bühne. Wir konnten beim Test keinerlei Ruckler, Tearing oder irgendetwas in der Art feststellen. Typisch für Nintendo, trotzdem erwähnenswert. Einziger Kritikpunkt: Die Kamera ist öfter mal bockig, sodass die Lage unübersichtlich wird.


Fazit

Unterm Strich liefert Nintendo mit Super Mario Odyssey nicht weniger als einen Jump-and-Run-Meilenstein, der sich nahtlos in die Nintendo-Software-Bibliothek eingliedert und zur Grundausstattung eines jeden Switch-Besitzers gehören sollte.


Details

Artikel bewerten
(1 Stimme)