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Tomb Raider: Laras erstes Abenteuer im Check

Die Tomb Raider-Reihe ist in den letzten Jahren mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Nun setzt Square Enix wieder alles auf Anfang. Ob der Neustart überzeugt?
Die gute Lara Croft hat bereits alles miterlebt. Das erste Tomb Raider ging vor satten 17 Jahren in die Videospiel-Geschichte als eines der besten Action Adventures ein. Auch wenn die Nachfolger Spieler und Fachpresse noch zu überzeugen wussten, ließ der Abstieg nicht mehr so lange auf sich warten. Spätestens nach dem fünften Teil The Angel of Darkness war die Luft endgültig raus, und nichts mehr von der Spannung und dem Charme des Erstlings übrig. Ein neues Entwicklerstudio sollte her und wurde mit Crystal Dynamics, bekannt geworden mit der Legacy of Kain-Reihe, auch gefunden. Die Ausbeute: Tomb Raider - Legend. Ein merklicher Fortschritt, doch bei weitem nicht der beste Teil. Doch weil jeder eine zweite Chance verdient hat, erst Recht Lara Croft, gönnt Square Enix der Heldin einen Neuanfang.

Im neuen Tomb Raider erlebt der Spieler also das allererste Abenteuer der Archäologin. Lara ist Teil der Crew des Schiffes Endurance, welche im Japanischen Meer nach dem sagenumwobenen Königreich von Yamatai sucht. Auf Laras Drängen verschlägt es die Besatzung auf eine mysteriöse Insel, die sich im sogenannten Drachen-Dreieck befindet. Allerdings auf eine eher unschöne Art und Weise. Das Schiff zerschellt an den Klippen und die Mannschaft fängt an, sich neu zu organisieren. Außer Lara, die wird nämlich bewusstlos geschlagen, entführt und muss sich erst mal allein durchbeißen. Ach ja, ein Haufen Durchgedrehter will ihr auch ans Leder. Und ihre Kollegen lassen einer nach dem anderen ihr Leben. Warum, stellt sich im Laufe des Spiels heraus. Nebenbei macht die Protagonistin natürlich ihren ersten großen archäologischen Fund.

Ärger in der Wildnis

Wohl wahr, mit dem Widersacher ist nicht gut Kirschen essen. Und das muss Lara schnell feststellen, als sie angegriffen wird, sich schließlich zur Wehr setzen und den Mistkerl erledigen muss. Allen Gewissensbissen zum Trotz. Das ganze Schauspiel weiß Crystal Dynamics ganz hervorragend in Szene zu setzen. So emotional hat man Tomb Raider noch nie erlebt. Auch davon abgesehen ist der neue Teil nichts für zart Besaitete. Trifft der Spieler eine Fehlentscheidung, oder versaut einen Quicktime-Event - die meist viel zu unfair ausfallen - und Lara segnet das Zeitliche, wird das in der Regel recht brutal gescriptet.

Gameplay-technisch gibt’s keine großen Innovationen. Lara hangelt, klettert und schießt sich ähnlich wie Nathan Drake aus Uncharted durch die Gegend. Allerdings wird einem bei Tomb Raider noch mehr zur Hand gegangen, etwa wenn Lara an einer Deckungsmöglichkeit vorbeikommt. Muss man bei Uncharted erst die entsprechende Taste drücken, um unterzutauchen, schmiegt sich Lara von selbst an das jeweilige Objekt, um nicht gesehen zu werden. Cool: Lara kombiniert Gegenstände, zum Beispiel Feuerzeug, Klebeband und Pfeil, und erhält so eine vernichtende Waffe. Oder sie schießt ein Seil per Pfeil und Bogen auf eine höher gelegene Plattform, um sich hochhangeln zu können. Das Geheimnis liegt also in der Genre-Balance. Action, Shooter, sogar Rollenspiel – all das ist Tomb Raider. Auffällig: Im Gegensatz zu früheren Tomb Raider-Games, lassen die Rätsel diesmal teils etwas zu wünschen übrig. Das wird definitiv nicht jedem Fan gefallen. An und für sich gibt’s aber wenig am Spielkonzept zu meckern. Das gesamte Gameplay-Gefüge wirkt schön ausbalanciert. Die Atmosphäre ist schlicht grandios. Yamatai hält viele Überraschungen parat, von dichten Dschungel-Arealen bis hin zu verdreckten Gräbern. Flora und Fauna wirken authentisch, genau wie die Witterung und Lara selbst überzeugt durch ihre unbeholfene Art. Übrigens: In der deutschen Fassung leiht Nora Tschirner Lara Croft ihre Stimme. Das passt teilweise ganz gut, allzu oft wirkt ihre Stimme für die Heldin aber zu kindlich.


Fazit

Square Enix gibt der Gamerwelt, was sie verdient: Ein Tomb Raider, das seinem Namen endlich wieder gerecht wird. Mit zeitgemäßer, authentischer Heldin, viel Realismus und astreiner Optik. So macht ein Serien-Neustart Spaß. Auch wenn sich beinharte Serien-Veteranen etwas verzweigtere Gräber und Rätsel gewünscht hätten.



Details

  • Titel: Tomb Raider
  • System: PC, PS3, Xbox 360
  • Genre: Action-Adventure
  • USK: Keine Jugendfreigabe
  • Spieler: 1
  • Release: Bereits erhältlich
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