Oscars 2014: Die Highlights der Verleihung Bild: getty images/entertainweb

Moderation, Gewinner, Laudationes

Oscars 2014: Die Highlights der Verleihung

Die Goldjungen versetzten Hollywood kürzlich wieder in Ausnahmezustand. Die Academy bekam, wonach sie verlangte: eine bodenständige Oscar-Verleihung.
Als Moderatorin wählte die Academy nach Seth MacFarlane im Jahr 2013 Ellen DeGeneres. Statt ausufernder Gesangseinlage gab die Moderatorin einen Comedy-Monolog zum Besten – der immerhin einen angenehm anstößigen Gag enthielt: „Möglichkeit Nummer 1: 12 Years a Slave wird als Bester Film ausgezeichnet. Möglichkeit Nummer 2: Ihr seid alle Rassisten.“ Ganz so brav, wie im Vorfeld befürchtet, gab sich die US-Talkerin also doch nicht. Drauflegen konnte sie dann allerdings keinen mehr.

Die Moderatorin rückte vergleichsweise stark in den Hintergrund. Kontrastprogramm zur umstrittenen Aufführung MacFarlanes im vergangenen Jahr. Stattdessen gab’s eine Verleihung, die gerade witzig genug war, nirgends aneckte und sich mehr nach Pflichtübung denn nach großem Kino anfühlte. Ellen ging auf Kuschelkurs mit den Stars. Ein Selfie mit Jennifer Lawrence, Bradley Cooper und Kevin Spacey, der anschließend bei Twitter eine Million Mal geteilt wurde, Pizza an die Herrschaften im Publikum verteilen, anschließend frech Geld einsammeln (der fröhliche Pizzabote nahm 1.000 Dollar Trinkgeld ein) und ab und an für einen Gag auftauchen – um dann direkt wieder das Feld für die Laudatoren zu räumen.


Die Laudationes

Hier gab es weit mehr Lichtblicke: Steve McQueen, der als erster schwarzer Regisseur einen Oscar erhielt, zum Beispiel. Sichtlich gerührt von der Wahl der Jury, schien ihn seine sonst so ausgeprägte Selbstsicherheit komplett zu verlassen. Sympathisch. Lupita Nyong’o nahm ebenfalls einen Preis für 12 Years a Slave entgegen und verblüffte anschließend mit einer der besten und emotionalsten Reden der Oscar-Geschichte. John Travolta sorgte unfreiwillig durch einen Versprecher für Spaß unter den Zuschauern, Jim Carrey mit einer Imitation Bruce Derns. Der Musik wurde, wie eingangs erwähnt, weniger Raum gewährt als bei der oft als „Musicars“ betitelten 2013er-Goldjungen-Verleihung. U2, die Nelson Mandela ehrten, und Pharrell Williams sorgten für den passenden Sound. Dass aber nicht letzterer für sein Lied „Happy“ den Oscar für den besten Filmsong erhielt, sondern die Jammernummer „Let it go“ aus Disneys Die Eiskönigin, verwunderte dann doch.


Die Preise

Genau wie die Tatsache, dass David O. Russells American Hustle trotz zehn Nominierungen komplett leer ausging. Zumindest Amy Adams hätte sich den Preis für ihre Hauptrolle wirklich verdient gehabt. Wenngleich die Gewinnerin Cate Blanchett in Woody Allens Blue Jasmine ebenfalls grandios war. Übrigens: Wie wär’s eigentlich mit einem Oscar für das beste Ensemble? Hier hätte American Hustle nämlich ganz sicher das Rennen gemacht. Schade auch für Leonardo DiCaprio. Der war bereits zum fünften Mal nominiert– und fünf Mal blieb es bei der Nominierung. Matthew McConaughey war mit seiner Rolle in Dallas Buyers Club wohl doch ein Quäntchen besser. Einen derartigen Transfer vom unzumutbaren Arsch hin zum nachdenklichen Sterbenden kriegen die wenigsten Schauspieler hin.

Unterm Strich präsentierten sich die Oscars 2014 durchwachsen. Was hängen bleibt, sind einige packende Reden, eine größtenteils nachvollziehbare Gewinnerwahl und ein gequält lächelnder Leonardo DiCaprio. Woran man sich weniger erinnern wird, ist die unauffällige Moderation der sonst sehr sympathischen Ellen DeGeneres. Vielleicht traut sich die Academy im nächsten Jahr ja wieder etwas Derberes zu. Wir sind dafür.
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