Watch Dogs: Underdog oder harter Hund? Bild: Ubisoft

Im Test

Watch Dogs: Underdog oder harter Hund?

Schon vor langer Zeit angekündigt, dann verschoben und jetzt endlich in den Laufwerken von Konsole und PC: Watch Dogs. Wir haben Ubisofts GTA-Konkurrenten getestet.
Das Spionage-Game Watch Dogs ist nun also im Handel angekommen. Fast perfekt getimt zum NSA-Skandal, den Whistleblower Edward Snowden im vergangenen Jahr lostrat. Ubisoft konnte all das zum Entwicklungsstart vor rund fünf Jahren natürlich nicht erahnen. Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass der Publisher mit seinem neuen Spiel den Puls der Zeit trifft. Aber wie spielt sich Watch Dogs eigentlich?


Spielgewordenes Gehacktes

In jedem Fall geht’s ohne große Umschweife ans Werk. Statt den Spieler durch Tutorials zu quälen, wirft ihn Watch Dogs lieber ins kalte Wasser. Protagonist Aiden Pearce will seine ermordete Familie rächen und verhört gleich zu Beginn einen potenziellen Täter auf nicht sehr feinfühlige Art und Weise. Schon nach wenigen Minuten, die man Aiden Pearce über die Schulter geblickt hat, wirken Steuerung und Gameplay-Mechaniken vertraut. Weil Watch Dogs sich eben spielt wie ein typisches Third-Person-Actionspiel, im positiven Sinne. Wenngleich seine Hauptmotivation die Aufklärung eines Mordes ist, so ist Pearce doch kein Unschuldslamm und schreckt nicht vor illegalen Methoden zurück. Aiden rennt, springt, schleicht und schießt viel. Und er hackt. Er hackt sich in Überwachungskameras, um in nicht zugängliche Gebiete zu blicken. Er manipuliert den Straßenverkehr, indem er alle Ampeln auf Grün schaltet, provoziert Stromausfälle – alles mit seinem Smartphone. Und er durchforstet Datenbanken nach Verdächtigen. Ein entsprechendes Problem stellen die Chicagoer Cops für ihn dar. Die lassen sich übrigens nicht nur in den Story-Missionen verärgern, sondern auch in zahlreichen Nebenquests.


Sightseeing in Chicago

Das virtuelle Chicago ist groß und detailliert. An jeder Ecke warten Gelegenheiten, um aktiv zu werden, die Story beiseite zu legen. Seien es die zahlreichen Hack-Optionen, die den Spieler beispielsweise Konten von Passanten leerräumen lassen oder ein Verbrechen, das es zu vereiteln gilt. Für solche Aktionen gibt’s dann Fertigkeitspunkte zur Charakter-Optimierung. Alternativ schnappt man sich einen fahrbaren Untersatz und fährt die Sehenswürdigkeiten der Stadt ab. Zwar kommt das Handling der zahlreichen Karossen in Watch Dogs nicht ganz so gut wie in GTA V, dafür entschädigt die scharfe Optik. Die gefällt nämlich mit hohem Detailgrad – auch wenn Ubisoft im Vergleich zu früher gezeigtem Material einen Grafik-Downgrade vorgenommen hat. Das tut der Authentizität der offenen Spielwelt aber nicht weiter weh. Dafür wirken die Straßen Chicagos zu lebendig, der Sound – eine entsprechende Surround-Anlage vorausgesetzt – zu authentisch. Kurzum: Selten wurde das Flair einer Stadt so gut eingefangen, wie es Entwickler Ubisoft Montreal hier gelungen ist. Das gilt im Übrigen besonders für die PC- und Next-Gen-Fassungen, da hier die NPC-Dichte auf den Straßen im Vergleich zu den Fassungen für PS3 und Xbox 360 weit höher ausfällt.

Die Rahmenbedingungen für eine Spielwelt, die einen förmlich einsaugt, stimmen also. Ihre Figuren nicht immer. Die Persönlichkeit Aiden Pearce’ bleibt während der ganzen Spielzeit leider ziemlich seicht. Das Familiendrama als Ursprung all seiner Handlungen wirkt deplatziert, weil man über die einzelnen Charaktere einfach kaum etwas erfährt. Eine Bindung aufzubauen, fällt entsprechend schwer. Und auch sonst kommen die Charaktere aus Watch Dogs, zum Beispiel die Hackerin Clara recht flach daher. Schade. Einziger Lichtblick: Aidens Kumpel Jordi – über den wir aus Spoilergründen aber nicht zu viel verraten wollen.


Fazit

Ein GTA-Killer ist Watch Dogs wahrlich nicht geworden. Das war aber ohnehin nie das Ziel. Denn auch wenn Ubisofts neuester Streich in Teilen mit dem Rockstar-Game konform geht, so fühlt sich das Game im Test doch sehr eigenständig an. Unterm Strich reicht das für ein gutes Action-Spiel, das mit coolen spielerischen Features gefällt, doch mit flachen Charakteren und einer etwas zu traditionellen Story enttäuscht. Trotzdem: Ubisoft verdankt Watch Dogs die größten Absatzzahlen innerhalb einer Woche nach Release – vier Millionen Einheiten. Ein zweiter Teil ist deshalb sicher und wenn sich der Publisher die Kritik zu Herzen nimmt, könnte Watch Dogs 2 durchaus der Kracher werden, der Watch Dogs hätte sein können.



Details

  • Titel: Watch Dogs
  • System: PC, PS3, Xbox 360, PS4, Xbox One
  • Genre: Action
  • USK: Keine Jugendfreigabe
  • Spieler: 1
  • Release: Bereits erhältlich
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Dieser Beitrag stammt von und dem entertainweb-Team