Dishonored - Die Maske des Zorns: Undercover in Dunwall Bild: Bethesda Softworks

Dishonored - Die Maske des Zorns: Undercover in Dunwall

Bethesda rührt nur Mammut-Projekte an, so scheint es. Auch die aktuelle Produktion Dishonored: Die Maske des Zorns macht da keine Ausnahme. Wir haben das Schleichabenteuer ausführlich gespielt.
Schlimmer geht’s kaum: Corvo ist der Leibwächter der Kaiserin. Nach zweimonatigem Exkurs kehrt der Bodyguard in die Heimat Dunwall zurück, doch ehe er sich versieht, wird die Monarchin vor seinen Augen über den Jordan geschickt und ihre Tochter Emily entführt. Als die kaiserliche Wache Einzug hält, ist Corvo – und damit der Spieler – die einzige Person am Tatort. Klar, dass ihm das Debakel in die Schuhe geschoben wird. Das Ende vom Lied: Der Protagonist landet zu Unrecht in der Folterkammer. Der Spieler übernimmt die Kontrolle und manövriert den Gelackmeierten aus dem Verlies. Zeit, das Kernelement von Dishonored: Die Maske des Zorns zu erläutern: Je nach persönlicher Vorliebe zückt man jetzt entweder Pistole und Messer und macht die Gegnerschar dem Erdboden gleich; oder man geht die Sache ruhiger an, schleicht sich an den Wachen vorbei und bewahrt sein reines Gewissen. Es liegt ganz beim Spieler, ob Corvo eine Schneise der Verwüstung hinter sich herzieht oder seine Weste weiß und ohne Blutspritzer bewahrt. Dabei sei erwähnt, dass bei allem Spielspaß letztere Methode die eindeutig smartere ist – und obendrein nach jeweiligem Abschluss der neun Spielabschnitte auch die cooleren Boni springen lässt. Es ist sogar möglich, die rund 13-Stündige Kampagne zu beenden, ohne eine einzige Person zu töten!


Zwischen den Stühlen

Insgesamt fühlt sich Dishonored in den Genres Stealth, Action- und Rollenspiel wohl. Oder anders formuliert: Es hat die Entscheidungsfreiheit von Deus Ex, die Stealth-Komponente der Thief-Reihe, und im entferntesten Sinne die offene Spielwelt von Bioshock. Im Detail erhält der Hobby-Meuchler hier eine Offene Welt in Lightversion. Zwar lässt einem das Spiel freie Hand bei der Missionsgestaltung, steckt dabei jedoch deutliche räumliche Grenzen ab. Die Offene Welt ist also eher innerhalb der einzelnen Abschnitte zu verstehen, die man während des Auftrags nicht verlassen kann. Dennoch: Die spielerische Freiheit ist zu jeder Zeit spürbar, was die Arx Fatalis-Schöpfer und Entwickler der Arkane Studios durch die zahlreichen Spezial-Fähigkeiten noch unterstreichen. Im Laufe der Handlung findet der Spieler immer wieder Runen, die neue Fähigkeiten in verschiedenen Kategorien freischalten.

Unter anderem eine Teleport-Option, die das Überbrücken kürzerer Distanzen ermöglicht; oder ein Kontroll-Feature, das die Übernahme von Gegnern, Wachen oder sogar Tieren erlaubt. Cool: Mit etwas Fantasie lässt sich der Spielfluss mit genannten Fähigkeiten deutlich beeinflussen. Übernimmt der Spieler beispielsweise das Bewusstsein einer Ratte, passt er problemlos in die Abwasserrohre und gelangt so ungesehen in die Nähe der Zielperson. Ganz ohne vorangegangen Schlagabtausch. Auf Wahl hätte man natürlich auch einfach alle Widersacher aufs Korn nehmen können oder die Gegner per Telekinese vom kritischen Bereich wegmanövrieren. Ihr seht: Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.


Cooles Design, schwache Story

Der Half-Life 2-Designer Viktor Antonov liefert mit seinen eigensinnigen Kulissen die passenden Rahmenbedingungen. Der Schauplatz Dunwall erinnert ein wenig an London während des viktorianischen Zeitalters. Aber: Dishonored spielt nicht etwa in der Vergangenheit, sondern viel mehr in einer Art fiktiven Parallelepoche. Grafisch, vor allem auf der Animationsseite, hat man in dieser Konsolengeneration zweifelsfrei schon besseres gesehen. Dafür wirkt die gesamte Spielwelt wie aus einem Guss und überzeugt durch die Bank mit eigensinnigen Design-Ideen. Die gut eingedeutschten Dialoge treiben das atmosphärische Abenteuer zusätzlich auf eine höhere Ebene. Allerdings lassen die Entwickler auch einige Chancen ungenutzt. Die Story wirkt banal und austauschbar, echte Wendungen sucht man mit der Lupe. Schade, etwas mehr Detailverliebtheit und engagiertere Skriptschreiber hätten hier nicht geschadet. Dennoch ist Dishonored definitiv ein kleiner Meilenstein im Stealth-Genre. Wer das Spiel als das nimmt, was es ist – nämlich ein erstklassiges Schleichabenteuer mit einem Höchstmaß an spielerischer Entscheidungsfreiheit – der wird viele Stunden gut unterhalten. Auch wenn der Story-Komponente definitiv der letzte Feinschliff fehlt, um den Spieler vollends in seinen Bann zu ziehen.



Details

  • Titel: Dishonored: Die Maske des Zorns
  • System: PC, PS3, Xbox 360
  • Genre: Action-Adventure
  • USK: Keine Jugendfreigabe
  • Spieler: 1
  • Release: Bereits erhältlich
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Dieser Beitrag stammt von Stefan und dem entertainweb-Team