Wolfenstein 2: Der Oldschool-Shooter im Test Bild: Bethesda

The New Colossus

Wolfenstein 2: Der Oldschool-Shooter im Test

Wolfenstein 2: The New Colossus tut, als hätte es die Shooter-Evolution der letzten Jahre nie gegeben – und liegt damit verdammt richtig. Test!
Wolfenstein 2: The New Colossus fängt genau da an, wo Teil eins The New Order aufhört. Für alle, die sich nicht mehr erinnern können, gibt’s noch einen kleinen Rückblick, dann muss Protagonist B.J. Blazkowicz aber wirklich wieder ran. Denn die Nazis warten nicht und nehmen auch auf seine Verfassung keine Rücksicht. Blazkowicz liegt zu Beginn von The New Colossus auf der Krankenstation und kommt gerade so zu sich, als die Regime-Soldaten einfallen. Seine Kameraden brauchen ihn. Also in den Rollstuhl gehockt, Maschinenpistole geschnappt und in der Ego-Perspektive draufgehalten.

Blazkowicz’ Zustand bleibt zwar kritisch, doch ein Spezialanzug hält den Revolutionär später im Spiel auf den Beinen. In Sachen Gameplay ändert sich im Vergleich zum Vorgänger im Prinzip nichts. Das U-Boot Hammerfaust ist die Zentrale, hier erledigt Blazko kleinere Aufträge, bevor die Pflicht ruft und ihn unter anderem in ein postapokalyptisches New York und nach New Orleans verschlägt, das wie ein riesiger verwahrloster botanischer Garten wirkt. Die Levels sind in der Regel schlauchartig, manchmal etwas offener. Das Ziel: Das Regime stürzen, das in The New Colussus vor allem von der führernahen Generalin Irene Engel verkörpert wird. Und das gelingt in Wolfenstein 2 am besten, indem man Auftrag um Auftrag alles niedermäht, was unserem Helden vor Flinte und Plasma-Schneider gerät – also Regime-Soldaten in allen Größen und Formen.


Jetzt aber schnell!

Das ganze Spiel hat genau wie Doom, das aus dem gleichen Haus stammt, einen Affenzahn drauf. Obwohl das Spiel auf wahnwitzige Geschwindigkeit getrimmt ist, ruckelt hier nichts und grafisch kann sich Wolfenstein 2 ebenfalls sehen lassen, legt im Vergleich zum Vorgänger sogar nochmal eine Schippe drauf. Das Artdesign geht natürlich mit dem Vorgänger konform, aber Entwickler Machine Games wertet die Kulisse mit geschärften Texturen und coolen Waffen- und Kill-Animationen auf. Nur ein paar sterile Abschnitte fallen negativ auf. Was aus den Boxen knallt, unterstreicht die Optik mit ordentlich Wumms und bisweilen legt das Studio einen rockigen Klangteppich unter den Ballerlärm. Stark. Bei all den blauen Bohnen versäumt es Wolfenstein 2 aber nicht, kritische und auch humorvolle Zwischentöne anzuschlagen. Der Story gelingt der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und schrägem Humor. Wenn ein Regime-Soldat das Geschichtswissen zweier Ku-Klux-Klan-Anhänger auf Herz und Nieren prüft, während Blazko daneben via Flashback in seine schwierige Vergangenheit abtaucht, ist das befremdlich, aber funktioniert.

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Der Schwierigkeitsgrad ist knackig, auf den höheren Stufen fast schon unverschämt. Aber die Rücksetzpunkte sind fair und die Ladezeiten kurz. Wolfenstein 2 kümmert sich nicht um Schnickschnack, es zelebriert den Shooter in seiner ursprünglichen Form. Ihr sucht Medikits, lootet Rüstung und Munition und haltet auch mal beidhändig drauf, wenn es die Situation erfordert. Rätsel? Braucht’s hier nicht.


Von hinten an den Kommandant

Nur am Levelanfang, wenn die Kommandanten Blazko noch nicht entdeckt und Alarm geschlagen haben, lohnt es sich, durch Luftschächte zu schleichen und sich hinter Schreibtischen zu verstecken – um die Gegner dann hinterrücks mit dem Beil fertigzumachen. Zugegeben: Das ist alles nicht innovativ, dafür aber handwerklich so gut gemacht, dass nie Langeweile aufkommt. Außerdem geht’s dazwischen, wie eingangs erwähnt, immer zurück in die Hammerfaust, um Kräfte zu sammeln und hier und da eine kleine Nebenmission zu erfüllen. Etwa den Highscore auf dem Schießstand schlagen, eine Runde Ur-Wolfenstein am Spielautomat spielen oder Items für NPCs zu finden. Das bringt nicht nur Abwechslung in den Revoluzzer-Alltag, sondern stärkt auch die Bindung zu den Figuren. Nach zehn Stunden ist die verrückte Hetzjagd durch die alternative Geschichtslinie dann vorbei. Einen Multiplayer-Modus gibt’s nicht, dafür ein New Game Plus mit alternativen Missionen. Unterm Strich: Wolfenstein 2 ist der Shooter, den vor allem Puristen dieses Jahr unbedingt gespielt haben sollen.


Details

  • Titel: Wolfenstein 2: The New Colossus
  • System: PC, PS4, Xbox One
  • Genre: Ego-Shooter
  • USK: Keine Jugendfreigabe
  • Spieler: 1
  • Release: 27.10.2017
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Dieser Beitrag stammt von Stefan und dem entertainweb-Team