Kritik: Interstellar - Christopher Nolans neuer Geniestreich Bild: Warner Bros. Pictures

Vom The Dark Knight-Regisseur

Kritik: Interstellar - Christopher Nolans neuer Geniestreich

Nach Traum-Manipulationen in Inception und Superhelden in der The Dark Knight-Trilogie setzt Regisseur Christopher Nolan nun einen neuen Schwerpunkt: Interstellar wagt die Reise zu einer fernen Galaxie. Unsere Kritik.
Um die Erde steht es schlecht, eine Missernte jagt die nächste und in absehbarer Zukunft könnten dem Planeten sämtliche Ressourcen ausgehen. Die Regierung setzt deshalb auf Farmer, wie auch Cooper (Matthew McConaughey) einer ist. Doch er hasst seinen Job, macht er ihn ja nicht ganz freiwillig. Als Ingenieur und Weltraumpilot würde lieber wieder in ein Spaceshuttle steigen. Doch in diesen schwierigen Zeiten der Nahrungsknappheit gibt es kein Budget für Astronauten. Zumindest nicht offiziell. Von mysteriösen Ereignissen geleitet, gelangt der Hauptdarsteller aus Interstellar zufällig mit Töchterchen Murph (Mackenzie Foy, später Jessica Chastain) zu einer versteckten NASA-Anlage, wo im Geheimen unter Aufsicht von Professor Brand (Michael Caine) die Vorbereitungen für eine interstellare Weltraum-Mission getroffen werden. Ihr Ziel: der Menschheit eine neue Heimat suchen. Dank eines neu entdeckten Wurmlochs nahe des Saturn stehen die Sterne dafür besser denn je. Dass die NASA ohne Millionenbudget im stillen Kämmerlein eine derartige Mammut-Mission auf die Beine stellt, ist zwar nicht sehr glaubwürdig. Glücklicherweise lässt sich dies in Anbetracht der folgenden erzählerischen Raffinesse und der starken Inszenierung schnell als Zunder für die eigentliche Story abtun.


Die Reise zur neuen Erde

Die Reise, auf die sich Cooper begibt, ist in vielerlei Hinsicht eine ungewisse. Falls die Mannschaft – bestehend aus den Astronauten und Wissenschaftlern Doyle (Wes Bentley), Romily (David Gyasi) und Brands Tochter Amelie (Anne Hathaway) – einen bewohnbaren Planeten findet: Wer darf mit? Ist es logistisch überhaupt möglich, einen Teil der Erdbevölkerung zur Erde 2.0 zu transportieren? Sieht die Mission überhaupt vor, dass Menschen nachkommen? Falls nicht, hätte Cooper seine Tochter eiskalt im Stich gelassen. Schließlich hat er ihr versprochen, eines Tages zurückzukehren. Und dieses Versprechen schimmert als Handlungsbasis immer wieder unter der Science-Fiction-Oberfläche hindurch. Ein für Nolan ungewöhnlicher Ansatz, dessen vergangenen Filmen oft eine gewisse emotionale Kälte vorgeworfen wurde.

Im ersten Filmdrittel widmet sich das Drehbuch, welches Nolan mit seinem Bruder Jonathan ausgeheckt hat, ausgiebig den Figuren. Interstellar erhält dadurch einen gewissen Familiendrama- und Katastrophenfilm-Anstrich, der erst mit zunehmender Spieldauer immer stärker mit Science-Fiction-Grundlagen verschmilzt. Mit dem Handlungsverlauf erhalten zudem die Wurmloch-Theorie von Kip Thorne oder die Relativität der Zeit mehr und mehr Gewicht. Während Cooper und sein Team zum Beispiel eine Stunde lang Station auf Planet A machen, gehen auf Planet B Jahrzehnte ins Land. Das Ausmaß derartiger Phänomene versteht die 1A-Darstellerriege schauspielerisch grandios auf den Punkt zu bringen. Bei fünf Oscar-Preisträgern ist das auch kein Wunder. Nolan drückt zu Gunsten der Schauspielerei und Handlung etwas auf die Bombast-Bremse. Statt überbordenden Effektorgien verlässt sich der Regisseur bei Interstellar mehr denn je auf authentische Setdesigns und Hans Zimmers Soundtrack. Gedreht wurde übrigens auf klassischem 35- und 70-Millimeter-Material, was Interstellar zum passenden IMAX-Streifen macht. Auf 3D verzichtet der Regisseur komplett.


Mammut-Budget für einen Mammut-Film

Die Produktion von Interstellar soll fast so viele Millionen US-Dollar verschlungen haben, wie der Film Minuten hat: 169. Ob Interstellar dies an den Kinokassen wieder einspielt, zeigt sich ab dem Kinostart am Donnerstag, den 6. November. Wir sind zuversichtlich, dass Christopher Nolans opulentes Gesamtwerk da keine Probleme haben wird.



Details

  • Titel: Interstellar
  • Land/Jahr: USA 2014
  • Genre: Science-Fiction
  • FSK: Ab 12 Jahren
  • Regie: Christopher Nolan
  • Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain
  • Release: 06.11.2014
  • Laufzeit: 169 Min.
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Dieser Beitrag stammt von Stefan und dem entertainweb-Team